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NEU DEUTSCHLAND

EIN GEPLANTER US-STAAT IM HEUTIGEN ARKANSAS

1833 machte sich eine Reisegruppe auf, um im Gebiet der USA einen deutschen US-Staat zu gründen. Sie sehnten sich nach einem geeinten Deutschland, welches in Europa durch die Wiener Konferenz von 1815 in unerreichbare Ferne rückte. Hier bildeten viele Einzelstaaten und Fürstentümer den Deutschen Bund. Ihr Reiseziel war das Gebiet des heutigen Arkansas, welches 30 Jahre zuvor von Napoleon an die USA verkauft wurde (Lousiana Purchase). Nach und nach sollten hier deutsche Kolonien entstehen, bis eine Mindestanzahl von neuen Bürgern erreicht wäre, welche für die Anerkennung als US-Bundesstaat notwendig waren.

DIE GIEßENER AUSWANDERUNGSGESELLSCHAFT

FLAGGE DES KURFÜRSTENTUMS HESSEN
FLAGGE DES KURFÜRSTENTUMS HESSEN

Der Rechtsanwalt Paul Follenius und der evangelische Pfarrer Friedrich Münch gründeten 1833 die Gießener Auswanderungsgesellschaft im hessischen Friedberg. Ihr Ziel war es in den Vereinigten Staaten eine demokratische Musterrepublik zu gründen in welcher nicht nur die gleichen Grundrechte und die politische Teilhabe der einzelnen Bürger gelebt werden sollten, sondernvor allem das Deutschtum im Rahmen eines neuen US-Staates gestellt werden sollte. Die Anerkennung eines neuen Bundesstaates in einem Gebiet des amerikanischen Territoriums verlangte lediglich eine Liste mit 60.000 männlichen Unterschriften. Nach und nach sollten im heutigen US-Bundesstaat Arkansas deutsche Kolonien entstehen, welche dann ein neues Deutschland in Form eines US-Bundesstaates gründen würden. Zur Zielgruppe zählten fleißige Familien, welche sich nichts zu Schulden haben kommen lassen sowie das Bildungsbürgertum. Finanzschwache Menschen, Trunkenbolde und Kriminelle konnten nicht in die Gießener Auswanderungsgesellschaft aufgenommen werden.

Follenius und Münch lehnten die in Europa vorherrschende Willkürherrschaft der Aristokratie ab und waren der vielen Kriege überdrüssig. Auch spielte der Wunsch nach einem geeinten Deutschland nach den napoleonischen Kriegen eine auschlaggebende Rolle zur Gründung der Gesellschaft. Das heutige Deutschland war von politischen Unruhen nach der Julirevolution 1830 in Paris geprägt. Allein in Hessen wurden mehrere staatliche Einrichtungen gestürmt und geplündert, sodass der Großherzog das Militär einsetzten musste. 1832 forderten deutsche Freiheitskämpfer Einigkeit, Gerechtigkeit und Freiheit in der Hambacher Schlossruine. Ein Jahr später kam es zum Frankfurter Wachensturm, der jedoch nicht den gewünschten politischen Erfolg auslöste. 

WARUM ARKASAS?

FLAGGE DES BUNDESSTAATES ARKANSAS
FLAGGE DES BUNDESSTAATES ARKANSAS

Das Gebiet des heutigen Bundesstaates Arkansas ging 1803 mit dem Louisiana Purchase an die Vereinigten Staaten und hatte ideale Bedingungen für die Gründung eines neuen Bundesstaates. Das Land galt als dünn besiedelt am Rand des Westens und hatte keine anglo-amerikanische Vorprägung, welcher einer deutschen Entwicklung oder einer eigenen Gesetzgebung im Weg gestanden wäre. Zudem galt die Region als ziemlich sicher vor Indianerstämmen im Vergleich zur Besiedelung von Missouri oder Oregon. 500 Mitglieder der Gießener Auswanderungsgesellschaft brachen im Frühjahr 1834 zu ihrer Koloniegründung auf. Die erste Hälfte der Gruppe wurde von Paul Follenius auf dem Segler "Olbers" nach Übersee geführt.  Sein Schwager, Friedrich Münch hätte ursprünglich auf der "Eberhard" von Bremerhaven nach Baltimore segeln sollen. Die Eberhard erleidete jedoch Schiffsbruch, sodass die Gruppe erst verspätet im Juni 1843 auf dem Ersatzschiff "Medora" einschiffte. 

Ein fehlender Zusammenhalt und schlechte geographische Kenntnisse ließen das Unternehmen Neu-Deutschland jedoch scheitern. Die Reisegruppe verteilte sich in den bereits vorhandenen Bundesstaaten Missouri und Oregon. 

Ein neuer Bundesstaat wurde dennoch gegründet. Amerikanische Siedler von der Ostküste der USA besiedelten das Gebiet und 1836 wurde Arkansas als 25. Bundesstaat in die Union aufgenommen.