BINATIONAL >> DEUTSCHAMERIKANISCHE GESCHICHTE >> DEUTSCHE IN DEN KOLONIEN

FLAG-AND-FLAG.COM


 VERWANDTE ARTIKEL: Die 13 Kolonien

DEUTSCHE IN DEN KOLONIEN

FISHER, SIDNEY GEORGE. PENNSYLVANIA, COLONY AND COMMONWEALTH. 1897.
FISHER, SIDNEY GEORGE. PENNSYLVANIA, COLONY AND COMMONWEALTH. 1897.
BETSY ROSS FLAG (1777)
BETSY ROSS FLAG (1777)

Bereits 1607, mit der Gründung der ersten permanenten britischen Siedlung Jamestown, waren Deutsche vorzufinden. Der aus Breslau stammende Arzt Dr. Johannes Fleischer gehörte 1607 zu den ersten Kolonisten. Im Jahr 1683 gründeten 13 Familien ("Original 13"), Mennoniten aus dem Raum Krefeld, mit Germantown die erste dauerhafte deutsche Siedlung, welche heute in die Stadt Philadelphia eingegliedert ist. Die Führung der Mennoniten übernahm der aus Sommerhausen (bei Würzburg) stammende Franz Daniel Pastorius. Die meisten Deutschen wanderten jedoch erst seit  den 1680er Jahren in größerer Zahl  in die Kolonien aus. Sie stammten überwiegen aus der Pfalz, welche von Kriegen besonders heimgesucht wurde. Ihr Ziel war neben New York und New Jersey vor allem die Kolonie Pennsylvania, da ihr Gründer William Penn in den 1670er Jahren zweimal nach Deutschland kam, um Werbung für sein "Heiliges Experiment" zu machen. Sein Ziel war es eine Quäkerkolonie in Nordamerika zu errichten. 1681 überließ Charles II. von England den Quäkern ein größes Gebiet an der damaligen Westgrenze der besiedelten Kolonien. Die Kolonie Pennsylvania gab sich eine liberale Verfassung und lockte somit viele Auswanderer ins Land. Hinzu kamen Reiseberichte wie das 1756 veröffentlichte Buch "Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien im Jahr 1750", welche die Auswanderung nach Übersee anregten. Der Hafen von Philadelphia spielte bei der frühen Einwanderung eine wichtige Rolle.

 

Gründe für eine Auswanderung gab es damals viele. Zum einem ermöglichte die Landwirtschaft kein zufriedenstellendes Auskommen mehr und zum anderem wurden religiöste Splittergruppen wie die Mennoniten, Amische, die Herrnhuter Brüder sowie die Tunker in Europa verfolgt und fanden in der liberalen Quäkerkolonie Zuflucht. Auch hinterließ der Dreißigjährige Krieg von 1618 - 1648 seine Spuren und veranlasste viele Deutsche zur Migration. Hinzu kam die Situation, dass Deutschland zur damaligen Zeit kein Einheitsstaat war, sondern aus vielen Fürstentümern bestand und Menschen vor der Tyrannei flüchteten. Der Kältewinter von 1708 - 1709 verursachte eine große Hungersnot und die Reise über den Atlantik versprach Landbesitz und ein selbstbestimmtes Leben in der Landwirtschaft. Vor allem der Anbau von Tabak versprach Gewinne.

 

Eine besondere Einwanderungsgruppe waren die Herrnhuter Missionare, welche im Jahr 1735 nach Nordamerika auswanderten und Gewaltlosigkeit bei Indianerstämmen predigten. Viele Indianer konvertierten und sind heute als Mährische Indianer bekannt (Mohavian Indians).

 

Der deutsche Kolonist  Christoph Sauer schrieb 1743 Geschichte als er die erste Bibel auf dem Gebiet der USA druckte - in deutscher Sprache. 

 

Auch in den Neuengland Kolonien entstanden zahlreiche deutsche Siedlungen, viele davon in Maine.

Im Jahr 1710 wurde mit New Bern von Schweizern und pfälzischen Siedlern eine deutschsprachige Siedlung in den südlichen Kolonien gegründet. Die Hafenstadt wurde von 1765  bis 1792 sogar Hauptstadt der Kolonie North Carolina.

 

In Virginia wurde eine Siedlung mit dem Namen Germanna errichtet, in welcher überwiegend Auswanderer aus der Pfalz und dem heutigen Baden Württemberg siedelten.

 

Viele deutsche Siedler kamen als sogenannte Indentured Servants (Schuldknechte) in die Kolonien. Konnte man das Geld für eine Überfahrt nicht aufbringen, konnte man die Ausreise mit einem Vertrag bezahlen. Dieser Vertrag wurde mit dem jeweiligen Kapitän geschlossen, der dann seinen Vertrag an potentielle Arbeitgeber in den Kolonien verkaufte. Der Reisende verpflichtete sich dann seine Arbeitskraft, als Indentured Servant für einen Zeitraum von drei bis sieben Jahren, zur Verfügung zu stellen.

 

Im sogenannten Franzosen- und Indianerkrieg kämpften die beiden Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in Nordamerika. Unterstützt wurden die beiden Mächte jeweils von indianischen Verbündeten. Großbritannien rekrutierte aber darüber hinaus auch zahlreiche deutsche Siedler für ihr Royal American Regiment.

 

Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775 - 1783) waren zwar deutsche Soldaten auf beiden Seiten beteiligt, der größere Teil davon kämpften allerdings als Berufssoldaten an der Seite der Briten. Da der Krieg auch Auswirkungen auf den transatlantischen Verkehr hatte, kam die deutsche Einwanderung zum Stillstand. Erst Jahre nach dem Revolutionskrieg siedelten wieder Deutsche in Nordamerika. 

 

Die Mennoniten gehören der evangelischen Glaubensgemeinschaft an und gingen aus den Täuferbewegungen der Reformationszeit zurück. Ihr Namensgeber war der aus dem Friesland stammende Theologe Menno Simons. Als täuferische Gemeinschaft sind sie mit den Amischen verbunden.

 

Die Amischen haben ihre Wurzeln bei den Mennoniten, von welchen sie sich im Jahr 1693 unter Führung ihres Namensgebers Jakob Ammann abspalteten. Sie sind im Agrarbereich verwurzelt und sind technischen Neuerungen skeptisch eingestellt. Unter den Amischen wird heute noch Pennsylvaniadeutsch gesprochen.

 

Die Herrnhuter Brüdergemeinde: Die Herrnhüter Brüdergemeinde hat ihre Wurzeln bei der Böhmischen Bruder-Unität und bei deren Nachfahren, welche als Böhmische Brüder im Jahr 1722 die Ortschaft Herrnhut gründeten. Sie stehen der Erneuerungsbewegung des Pietismus nahe und gelten heute als eigenständige Bewegung.